Freitag, 25. Dezember 2015

Weihnachtsgrüße

Weihnacht 2015.jpeg



Liebe Leser meines Blogs,

(Im Februar 2016 entdeckt: Die Bilder sind weg. Keine Ahnung, was passiert ist ...)

ja, so würde man es sich zu Weihnachten wünschen.

Die Realität sieht anders aus: 

PC190039.JPG

Dafür werden wir mit Blumen entschädigt:

Gänseblümchen.JPG  Rose.JPG  Löwenmäulchen.JPG

Gänseblümchen, Rosen und restlichen Löwenmäulchen.

Deshalb: ist schon o.k. so, wie es ist.

Wer noch mehr Garteneindrücke sehen will, schaut nach auf Flickr.

Trude und ich wünschen Euch beschauliche und erholsame Feiertage und alles Beste für das Jahr 2016.

Viele Grüße aus Mariendorf

Euer Will

Weihnachtssingen 1. FC Union Berlin

1.FC_Union-09-.jpg

Liebe Leser meines Blogs,

hier eine kleine vorweihnachtliche Begebenheit.

Der 1. FC Union Berlin veranstaltet in seinem Stadion „An der Alten Försterei“ seit 2003 ein Weihnachtssingen. Von Zeit zu Zeit tue ich dort meinen Blutentnahmedienst bei den Spielen der 2. Bundesliga.

In diesem Jahr haben wir von meinem Bruder Freikarten für den 23. 12. bekommen. Das Singen war seit Wochen ausverkauft, 28.000 Menschen kamen zusammen, sie werden als „Der größte Chor der Welt“ bezeichnet.

Die Veranstaltung war schon irgendwie rührend. Es ist beachtlich, wie eng viele Fans mit ihrem Verein verbunden sind, auch in der Weihnachtssingerei. Es gab sehr persönliche Ansprachen von Stadionsprecher Christian Arbeit  So grüßte er die Geburtstagskinder und auch fremde Gäste, z. B. aus Skandinavien, Kanada, Neu Seeland oder eben auch aus Charlottenburg. Der Herr Arbeit begrüßte die Konkurrenz von den „Blau-Weißen“ (Hertha), es erklangen aber - gar nicht weihnachtlich - Buhrufe.

Es wurden Kranke genannt, die nach langem Leiden genesen waren, und es wurde zu einem Benefiz-Spiel für einen Wiener FC, der in Geldsorgen steckt, aufgerufen. Auch wurde betont, dass die „Union“ in ihren Räumen 300 Flüchtlinge beherbergt.

Zwischen den Liedern wurde sogar eine kleine Predigt gehalten, die Weihnachtsgeschichte verlesen und ein Vaterunser gebetet. Alles ernsthaft, niemand spöttelte.

Vor dem öffentlichen Singen spielte ein Blasorchester und es sang ein „richtiger“ Chor. Das klang recht schön. Zwischenzeitlich erklangen immer wieder die Fan-Rufe: „Eisern - Union“. Dabei brüllte die eine Stadionhälfte das „Eisern“ und nach rhythmisch exaktem Abstand die andere Hälfte das „Union“. Das Maskottchen - ein Ritter mit Morgenstern, eisern eben - wies dabei in die entsprechende Richtung. Mir schien, wenn der Ritter meinte, das reicht, dann klatschte er in die Hände, und tatsächlich, die Schallwellen erstarben.

Dann gingen die Scheinwerfer aus, und nur tausende Kerzen waren sichtbar, auch ein fast voller Mond. Das sah schon beeindruckend aus. Es wurden die bekanntesten Lieder gesungen. Dazu gab es Glühwein, Bier, Bratwürste. Aber es kam, zumindest bei mir, nicht die richtige Weihnachtsstimmung auf, wenn ich auch stimmkräftig mitsang - wie die meisten in meiner Umgebung. Von einem achtundzwanzigtausendstimmigen Chor war nicht viel mitzubekommen, denn auf der Bühne in der Mitte des Rasens (der vorsorglich mit weißen Platten abgedeckt war - so hatte man ein bisschen die Illusion von Schnee) sang ein Schülerchor. Diese jungen Stimmen klangen nicht schlecht, doch durch die Verstärker hörte man eigentlich nur die und die nächsten Nachbarn.

Ich muss schon sagen, auch wenn ich nun nicht christlich aktiv bin - Weihnachtslieder klingen eben doch am besten in der Kirche.

Wenn Ihr mögt, könnt Ihr ein paar Bilder und zwei Videos auf Flickr betrachten.

Soviel nochmals viele Grüße aus Berlin und weiterhin fröhliche Weihnachten.

Euer Will

Dienstag, 1. Dezember 2015

Titel Elyyrs_Blut_b.jpeg

Ihr Lieben,

mal wieder eine Meldung aus Berlin, nach längerer Pause. Dafür allerdings kommen jetzt mehrere kurz hintereinander.

Mit dieser hier will ich mal Reklame machen für das neue Buch von Fabienne Gschwind, ein obskurer Science-Fiction.
Es gibt ihn als eBook bei Kindle für 2,99 € oder als Print-on-demand-Buch, ebenfalls bei Amazon, 333 Seiten für 13,70 €.

Ich halte Fabienne für eine geniale Erzählerin und hatte die Ehre, bei der Umwandlung der stark schweizerdeutschen Urfassung ins Hochdeutsche mitzuwirken.

Fabienne hatte 2010 ihre Trilogie Scadenweld herausgebracht und Anfang diesen Jahres zwei Beiträge zu Zombie City Stories zugesteuert.

Klar, man muss diese Genres schon mögen, um bei diesen Geschichten in Wallung zu geraten. Wer aber einen Faible dafür hat, bei der geht nicht schlafen, bevor er durch ist.

Und wer den Faible dafür nicht hat, der kennt vielleicht die eine oder den anderen und kann die Bücher weiterempfehlen. Auch verschenken ist nicht verboten. Weihnachten steht vor der Tür - und manche mögen's vielleicht lieber spinnig als beschaulich.

Viele Grüße

Euer Will

Donnerstag, 12. November 2015

Na denn, nach langer Zeit mal wieder ein Post...

Sende heute ein einstmals entwendetes römisches Amphorenfragment zurück an die Saalburg.

Nachtrag vom 1. 12. 2015:

Das Bruchstück ist ohne weitere Brüche in der Saalburg gelandet. Hatte es ja auch gut verpackt!

Direktor Almrhein hat sich bedankt und mir meine Jugendsünde offensichtlich verziehen. Nun ist das gute Stück jedenfalls wieder dort, wo es hingehört. Es wird allerdings nicht in der Ausstellung zu sehen sein. Es sei denn, es werden noch die restlichen Scherben gefunden, so dass ein ganzer Krug zusammengesetzt werden kann.





Mittwoch, 1. Juli 2015

Kinder, wie die Zeit...

Mittwoch, 1. Juli 2015

Juni herum, ein halbes Jahr vorbei und 2 Wochen seit meinem letzten Post. Immer Sommer scheinen sich die Ereignisse wirklich zu überschlagen.

Was ist passiert? Am besten chronologisch.

Donnerstag, Freitag, 18./19. Juni
hatte ich eine Teamfortbildung in der Hoffbauer-Stiftung, wo ich Altenpflege unterrichte. Die war richtig gut, aber auch richtig anstrengend. Ich fühlte mich geschafft, an den beiden Nachmittagen. Es ging um individuelles Unterrichten und mit welchen Methoden man alle Schüler in den Lernprozess einbindet. Sie müssen viel mehr selbst tun als sich im Frontalunterricht (meine Lieblingsunterrichtsform) berieseln zu lassen. Die Vorbereitung ist allerdings deutlich umfangreicher. R. meinte dann am Samstag, ich solle auf keinen Fall von meinen Frontalunterricht lassen. R. leitet die Semper-Schule in Berlin, wo ich bei den Heilpädagogen und den Erziehern unterrichte.


Für mich als Quereinsteiger in die Pädagogik waren die vielen Begriffe alles böhmische Dörfer, deren Bedeutung ich gerade mal erahnen konnte, aber eben noch nicht mit Erfahrungen füllen. Jetzt werden erst die Überlegungen kommen, ob und wie ich sie umsetzen kann. Habe so innerlich für mich beschlossen, dass ich mit dem Unterricht noch bis 70 weitermache - wenn alles so bleibt und alles so weiterläuft wie bisher. 
Muss gestehen, bei meinen nächsten Stunden über Nordvirus und Salmonellen hatte ich die neuen Kenntnisse NICHT umgesetzt.


Trude hatte die Woche über ihre letzte Fortbildung in Palliativpflege. Sie musste eine kleine Arbeit schreiben und hat jetzt ein schönes Zertifikat. Das meiste daran hat ihr gut gefallen, sie sagt, sie hat viel gelernt. Nur eine Esoterik-Dozentin ging ihr auf den Zeiger.


Freitag Abend trafen Trude und ich uns mit meiner Verlegerin Tanja Höfliger vom Fabulus-Verlag und ihrer Mutter. Der Roman „Götter“ soll ja noch zum Jahresende herauskommen. Es sind zwei ausgesprochen sympathische und interessante Frauen. Die Mutter war Friseurmeisterin und sattelte irgendwann um auf Herstellung von Spezial-Elektromotoren. So ein Umschwenken ist wirklich verwunderlich. Doch sie erzählte, Elektrobasteleien hätten sie von klein auf interessiert. Sie hatte Verbindung zu einem Betrieb der Elektromotoren herstellte und lernte dort, wie es geht. Sie hatte dann wohl selbst viele Jahre einen Betrieb. Daneben ist sie Leseratte.


Die Tochter ist Fotografin, fotografierte allerdings fast nur analog. Durch ihre Kinder entfernte sie sich etwas von diesem Beruf. Ihr zweiter Faible ist das Schreiben. Das realisiert sie jetzt, wollte aber unabhängig bleiben von Verlagen, sondern gründete ihren eigenen. Denn sie scheint sehr professionell vorzugehen, mit gründlichem Coaching - und das ist ja nicht gerade billig. Sie hat eine Fantasy-Trilogie Cináed herausgebracht. Im Juli erscheint der 3. Band. Habe die ersten beiden gelesen, sie haben sich anscheinend ganz gut verkauft. Es erinnert mich ein bisschen, aber wirklich nur an bisschen an Harry Potter.
Bin jedenfalls mal gespannt, wie das weiterläuft, habe aber ein seeehr gutes Gefühl.

Samstag:
Am Nachmittag war ich bei E. auf der jährlichen Gartenfete, erstmals nach bestimmt fünf Jahren wieder. Wir hatten vor vielen Jahren einmal eine Bergtour zusammen unternommen, und der Kontakt hat sich erhalten. Die Vorjahre hatte entweder etwas anderes Vorrang, oder ich habe sie einfach verschwitzt. Den Termin nicht eingetragen und irgendwann im Spätsommer nach der Einladung-eMail geschaut und den Lapsus entdeckt. Freute mich natürlich, dass sie trotzdem noch an mich dachte und es nicht aufgab, mich einzuladen.

Diesmal  gab es sogar die Besonderheit, dass sie mich bat, eine kleine Lesung zu machen. Ich las also etwas zwanzig Leuten drei von meinen Kurzgeschichten vor, und ich hatte das Gefühl, sie kamen auch ganz gut an. Hat Spaß gemacht, trotz eines gewissen Lampenfiebers, das sich aber schnell gelegt hatte.

Zudem hatte ich Enkel J. mit bei E.s Gartenfete, und er hatte sichtlich seinen Spaß dort. Es waren noch zwei Jungs dort, einer zweieinhalb Jahre, aber motorisch ausgesprochen weit und später einer mit ungefähr vier Jahren. Für die war das dort der reinste Abenteuerspielplatz.

Am Abend waren wir auf der Geburtstagsfete von A., gleichzeitig feierte sie auch ihr bestandenes Examen als Erzieherin. Es ist eine Ex-Kollegin Trudes, die von der Krankenpfege in die Kinderbetreuung konvertierte und ihre Ausbildung berufsbegleitend machte. Es war eine angenehme, lockere Runde. Trotzdem gluckte man überwiegend mit den üblichen Verdächtigen zusammen, sprich die alten Bekannten, auch R. Sie ist ebenfalls eine Ex-Kolleging Trudes, die allerdings in die Pädagogik konvertierte. A. schwirrte durch die Gegend, konnte sich natürlich nicht um alle intensiv kümmern, so ist das halt als Gastgeberin. Sie machte aber einen entspannten und zufriedenen Eindruck.



An jenem Wochenende war Tochter L. bei uns, eben mit Enkel J. Ihr ging es gar nicht gut. Sie hatte eine Mittelohrentzündung und kam schon mit Antibiotika aus Hamburg an. Samstag wurden die Schmerzen immer schlimmer, so dass ihr sogar die Tränen kamen. Ich fuhr mit ihr ins Neuköllner Krankenhaus. Eine junge HNO-Ärztin war was pampig und meinte, was sie eigentlich wolle, wo sie doch am Vortag beim Facharzt war. L. sagte, dass es sich eben trotz der Antibiotika verschlechtert hätte. Auf dem 1.-Hilfe-Bogen stand dann: Bei Verschlechterung Wiedervorstellung. Tja, manche Ärzte haben ein ausgesprochen sensibles Gespür im Umgang mit Leidenden…


Ich kann natürlich nachvollziehen, wie die Klinik stressen kann. Trotzdem ist das kein Grund, seinen Frust durch Ruppigkeit an den Patienten auszulassen. Nach einem weiteren kleinen Rückschlag ging es L. in den nächsten Tagen wieder recht gut.

Sonntag Vormittag arbeitete ich einigen Schriftkram auf. Da sammelt sich mindestens genauso schnell was an wie die Zeit vergeht. Habe auch ein Knöllchen bekommen auf der Fahrt nach Emden zum Filmfest. Bin irgendwo 91 gefahren statt 80. Wahrscheinlich auf eine Baustelle zu ausrollen lassen. 20 €. Na ja, gibt Schlimmeres.


Am Nachmittag waren wir im Schöneberger Südgelände. Kalle kam auch dazu. Dort waren einige Veranstaltungen im Rahmen der Sonnenwende, und auch hier war Enkel J. die ganze Zeit gut gelaunt, voller Aktivität und Neugierde - speziell als die Kinder von einer Musikschule ihre Stücke probten, die später aufgeführt werden sollten.


Ab frühen Nachmittag fuhren Tochter und Enkel zurück, Trude und ich machten ein Nickerchen. Das Wochenende hatte es wieder mal ganz schön in sich gehabt.

In der folgenden Woche hatte ich zwei Polizeidienste und dreimal Unterricht. Zwei Dienst in Nord-Ost, sprich Neu-Hellersdorf, musste ich nicht antreten. Das ist mir sehr recht, da ich über eine Stunde Fahrzeit habe. Einer fiel kurzfristig wegen Personalmangel aus, so dass mir wenigstens die Grundvergütung zusteht. Den zweiten übernahm nach kompliziertem Hin- und Hertauschen ein Kollege.

Ansonsten kümmerte ich mich um das Wildbienenbuch. Das wird wohl bald, auf jeden Fall noch im Juli, zu CreateSpace gehen und damit bei Amazon zu beziehen sein. Daneben sah ich noch eine Übersetzung Kalles durch, ein 400-Seiten-Werk aus dem Englischen. Das soll im Dezember erscheinen. Bei Amazon steht schon eine Vorankündigung.

Ein bisschen was Besonderes war Kirschenpflücken am Freitag. Ich erntete ca. 10 kg, wobei wir das Meiste an Nachbarn und Freunde verteilten. Das war allerdings nicht mal ein Fünftel von dem, was daraufhängt. Es waren kaum Würmer drin, auf jeden Fall aber Eier. Heute habe ich noch vom Rest gegessen. Mittlerweile sind in etwas der Hälfte die Maden der Kirschfruchtfliegen gewachsen. Zu erwarten ist bei den Kirschen, die noch hängen und lecker rot aussehen, dass 90 % befallen sind.

Ich behalte ja immer gerne einen bis vier Kirschkerne im Mund und spiele damit herum. So auch gestern beim Skate-Hockey-Training. Da kam es zu einer kurzen, heftigen Bewegung und zack, verschluckte ich den Kern. Und das mir, wo ich doch schon Schwierigkeiten beim Tablettenschlucken habe. Ich brauche dazu immer viel Wasser. Ohne das konnte ich richtig spüren, wie der Fremdkörper so ganz langsam die Speiseröhre hinunterwanderte.

Heute habe ich mal so richtig "frei". Werde noch ein paar Sachen aufarbeiten. Ab morgen bin ich zusammen mit den Freunden J. und G. ein paar Tage in Thüringen, und zwar von 2. bis 5. in Rudolstadt beim TFF (Thüringer Folk Festival). War vor 2 Jahren schon einmal dort, und das war grandios. Außerdem treffen wir die Freiburger Freunde.


Von dort aus werde ich nach Hamburg fahren und am Montag mit Enkel J. nach Berlin zurückkehren. Er bleibt dann bis Freitag ohne Eltern bei uns, zum ersten Mal. Eigentlich wollte er beim letzten Besuch schon nicht weg. Es wird zwar eine mächtige Fahrerei, aber dafür mache ich das doch gerne. Den Freitag drauf bringen wir ihn zurück und fahren am Samstag zu R. und T., Trudes Bruder. Sie feiern Silberhochzeit. Auch wieder so ein Datum, an dem man merkt, wie die Zeit davonhüpft. Man hat das Gefühl, dass deren Hochzeit in einem kleinen Kirchlein bei Hof doch noch gar nicht so lange her ist. Lebhaft kann ich mich erinnern, dass T. auf der Fahrt zur Kirche bemerkte, dass er noch die Hausschuhe anhatte.

So weit so gut, Rapport beendet.

Und für die Interessenten der Polizeiarbeit:

Dienstag, 23.6. Tempelhofer Damm – 7 Einsätze

Los ging es mit einem Italiener, der aus Kummer getrunken hatte, weil die Frau weg war.
Ein Bosnier um die 20 Jahre mit Verdacht auf Alkohol oder Drogen im Straßenverkehr.
Ein Dreißigjähriger, der wegen Körperverletzung in Gewahrsam kam. Hatte selbst reichlich Schürfungen an Kopf und Gliedmaßen
Nachts ein hilfloser Iraner mit niedrigem Blutdruck. Hatte eingepullert, verwaschene Sprache, schläfrig. Trotzdem kein Grund fürs Krankenhaus.
Ein Pole, Mitte Zwanzig, stark alkoholisiert, als hilflose Person im Gewahrsam.
Dann kamen noch zwei Blutentnahmen, ein Afrikaner mit 0,9 Promille im Atemtest und ein Zwanzigjähriger, der mit 1,5 Promille mit dem Fahrrad eine Frau angefahren hatte.

Donnerstag, 25.6. City – ebenfalls 7 Herrschaften.

Die ersten beiden waren höchstaggressiv, die Blutentnahme ging nur mit Gewalt, wobei sechs Beamten mit Halten beschäftigt waren.
Ein Deutscher um die 40 volltrunken, ein Rumäne, der kaum deutsch sprach.
Dann die ruhigeren Kandidaten. Ein Junkie im Entzug ca. 20, gab Herzschmerzen an.
Ein Mann Ende 20, 0,7 Promille im Atemtest nach 2 ½ Bier. Recht hoher Blutdruck. Sei bekannt, aber er nehme nichts. IT-Spezialist, kam gerade aus Doublin, in 4 Tagen müsse er nach Kuala Lumpur.
Dann kamen ein Fitness-Sportler und ein Spanier zum Alkohol- und Drogentest. Der Spanier war in eine Kita eingebrochen.


Schließlich noch ein Rumäne, der ebenfalls kaum Deutsch sprach. Deutete Thorax-Schmerzen an, die wirkten aber sehr vorgegeben. Vitalwerte usw. waren in Ordnung, er sollte sowieso in Kürze entlassen werden und könnte dann zum Arzt gehen.

Mittwoch, 17. Juni 2015

Fundbrief









   Hanes (?), 1. 2. 82 1  Verbessert: Halle S.

Lieber Werner, lieber Jochen!  Verbessert: liebes Evchen!

Habe Euren lieben Brief vom 22. 1. 82 vor
mir liegen, für den wir Euch vielmals herzlich 
danken. Den Anfang habe ich schon, wie er weiter
gehen soll, weiß ich noch nicht.
Ich habe Euch von von Lydias schreiben alles gesandt,
in dem sie wissen wollte wegen schlafen, Unruhe
etc. und auch eine Abschrift meines Briefes.
Es ist nicht so leicht, einen lieben Menschen
zu verlieren, mit dem man alle Freuden
und Leiden geteilt hat.
Bei uns der Mutti und mir ist es noch
schlimmer, denn wir marschieren in diesem
Jahre schon 62 Jahre zusammen. Wir wollen
nicht klagen, aber zwei Kriege, Inflation,
zweimal Geld verloren, die Sorge um unseren
großen Jungen usw. usw., an dieser Stelle
möchten wir Euch sagen, herzlich bitten und
Euch ans Herz legen, Ihr seid nun schon


Seite 2

reifere Leute, das Fundament des Zusammenlebens
ist Vertrauen, Vertrauen und nochmal gegenseitiges
Vertrauen, dann segnet Euch das Schicksal auch.
Denkt immer daran.
Primär ist die Gesundheit, sekundär das Geld,
fehlt nur eins von beiden, dann ist das Leben schwer
auf dieser Welt. Diese nackte Wahrheit und der 
Reim stammt von mir.
Es würde zu weit führen, wenn ich Euch sagen
würde, warum Onkel Fritz nach Norddeutschland
ging - vielleicht mal später. Seine Frau Tante
Lydia will nun auch in ein Hochhaus über-
siedeln, wozu wir auch geraten haben, ihre
Mentalität zu beleuchten ist im gegenwär-
tigen Stadium nicht angebracht, das ver-
bietet einem die Erziehung bzw. der
gute Ton. Wir alle haben ein Schicksal,
gute und weniger gute Seiten.
„Die Ehe Liebe welch lieblicher
Wunsch, doch in der Ehe, da steckt die
 Kunst“ Theodor Storm




Diesen Brief habe ich vor ein paar Wochen gefunden, als ich Gartenabfälle zu einem Recycling-Hof gefahren habe. Er stammt, wie oben zu sehen ist, vom 1.2.1982, er ist also 34 Jahre alt. Tochter L, war da gerade mal drei Monate alt.

Die Handschrift ist sehr ausgeprägt, die Schrift groß und verschnörkelt. Es sind Reste von Sütterlin darin. Viele Buchstaben sind regelrecht verziert. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich alles einigermaßen sicher entziffert hatte. Jetzt kommt mir alles plausibel und schlüssig vor.

Den Ort konnte ich allerdings noch nicht erkennen. Da muss ich wirklich einzelne Buchstaben genauer analysieren.

Meine Interpretation

Der Brief richtet sich an Werner und Jochen. Ich nehme an, das sind die Söhne des Schreibers. Es wird wohl kaum ein schwules Pärchen sein. Dagegen spricht auch weiter unten das Zitat zur Ehe.

Der Brief ist eine Antwort auf ein Schreiben vom 22.1. gleichen Jahres, für das „wir uns bedanken“. Der Schreiber spricht also auch im Namen seiner Gattin.

Dann schreibt er, den Anfang hätte er schon, wisse aber noch nicht, wie es weiter gehe.

Gefunden habe ich nur diese ein Blatt. Vielleicht ging der Brief weiter. Die Rückseite endet abschließend mit einem Zitat. Das könnte zwar das Ende sein, von der ganzen Schreibweise her ist es das aber nicht. Wer einen solchen Brief schreibt, der schließt ihn mit seinen Grüßen und seinem Namen. Der Rest ist also verschüttet, unwiderruflich.

Wieso der Brief beim Altpapier landete, darüber lässt sich spekulieren. Der Schreiber muss tot sein, denn er erwähnt, dass er mit Mutti schon 62 Jahre „marschiert“ ist. Nehmen wir mal an, sie „marschierten“ seit dem 20. Lebensjahr, dann schrieb er den mit 82 Jahren, war also Jahrgang 1900 + - 5 Jahre. Dann wäre er heute 115 +- 5 Jahre. Vielleicht sind aber Werner und Jochen auch schon gestorben, und die Enkel entsorgen die alten Sachen. Das scheint mir am wahrscheinlichsten.

Wieso aber kriegen die einen gemeinsamen Brief? Leben die zusammen? Oder reichen sie sich die Briefe weiter. Hatten ja offenbar auch einen gemeinsamen Brief an die Eltern geschrieben. Ich stelle jetzt einfach die erdachten Familienverhältnisse als Tatsachen hin.

Der Vater fängt also an, einen Antwortbrief zu schreiben, weiß noch nicht genau, auf was er hinauslaufen soll und teilt das gleich am Anfang mit.

Es gibt eine Tante Lydia. Die hat Probleme mit „schlafen“ (komischerweise klein geschrieben), „Unruhe usw.“ Das hat sie wohl brieflich mitgeteilt und dieses Schreiben hat der Vater „alles“ auch an seine Kinder gesandt, ebenso eine Abschrift (keine Kopie?) seines eigenen Schreibens an Lydia. Das muss dann seine Schwester oder Schwägerin sein.

Lydia hat offenbar einen geliebten Menschen verloren, was natürlich nicht leicht ist, da man mit ihm ja Freuden und Leid geteilt hat. Mehr ist über Lydia erst einmal nicht zu erfahren, aber ihre Schlafstörung und Unruhe kommt wohl daher. Man denkt, dass ihr Mann wohl gestorben ist.

Dann schwenkt der Vater aber zu sich selbst um und meint, bei ihm und Mutti wäre das noch schlimmer, weil sie ja bereits 62 Jahre zusammen „marschiert“ sind. Offenbar war die Lydia mit dem Ihren nicht so lange zusammen.

Immerhin marschieren die beiden noch zusammen. Es sieht nicht so aus, als nahe Tod oder Trennung. Aber nach 62 Jahren Zusammenleben denkt man sicher immer wieder einmal daran, dass dieses Ereignis kommen wird - und zwar in gar nicht allzu weiter Zukunft.

Klagen will der Papa nicht, aber er erinnert daran, dass er zwei Kriege mitgemacht hat. Auch das spricht ungefähr für das Geburtsjahr 1900, denn er muss den 1. Weltkrieg schon bewusst mitgemacht haben. Wäre an seinem Ende 18 Jahre alt gewesen.

Inflation und Geld verloren. Davon hatten auch meine Eltern erzählt, aber als Kind hatte ich nicht viel davon verstanden. Dann war da noch die Sorge um den "großen Jungen".

Was mag da dahinterstecken? Vielleicht ist er im 2. Weltkrieg gefallen oder blieb vermisst. Das könnte passen. Oder aber er hatte eine Krankheit, war behindert oder ein Psychopath. Alles ist möglich, ich weiß es nicht, Werner und Jochen aber werden gewusst haben, wovon der Vater schrieb.

Dann kommt übergangslos eine moralische Ermahnung, nicht einmal ein neuer Satz beginnt. Die Jungs bekommen an dieser Stelle "gesagt", werden "herzlich gebeten", bekommen "ans Herz gelegt" - da sie ja schon „reifere Leute“ seien - dass das "Fundament des Zusammenlebens Vertrauen, Vertrauen und nochmal gegenseitiges Vertrauen" sei. Dann segne sie auch das Schicksal. Daran sollen sie immer denken.

Nun kommt mir der vage Verdacht, dass es sich doch um ein Ehepaar handeln könnte, das klingt ja sehr danach. „Lieber Werner, liebes Frauchen“? Frauchen bestimmt nicht, aber irgendwas mit „chen“. Denn wenn das zweite „lieber“ ein „s“ am Schluss hat, dann würde ein „chen“ passen. „liebe“ heißt es auf jeden Fall nicht, es hängt ein „r“ oder „s“ dran. Werde mir die eigentümlichen Buchstaben wirklich noch mal genauer betrachten müssen.

Gut, gehe jetzt eher davon aus, dass der Brief an Sohn und Schwiegertochter geht oder Schwiegersohn und Tochter. Der Mann wird jedenfalls zuerst genannt, wie das früher nun mal üblich war.

Weiter geht es mit moralischem Rüstzeug, denn 
„Primär ist die Gesundheit, sekundär das Geld,
fehlt eines von beiden, dann ist das Leben schwer auf dieser Welt.“

Das ist für Paps die nackte Wahrheit, und er ist stolz darauf, dass der Reim von ihm stammt.

Nun geht es weiter mit Familiengeheimnissen.

Papa will nicht verraten, warum Onkel Fritz nach Norddeutschland ging - später vielleicht mal. Nun erfahren wir, dass seine Frau, die Tante Lydia in ein Hochhaus übersiedeln will, dazu haben er und Mama auch geraten. Es handelt sich eher um die Schwägerin, denn sonst hätte er sicher geschrieben dass seine Schwester Lydia ins Hochhaus ziehen will.

Onkel Fritz ist eher sein oder der Mutter Bruder. Der ist also gar nicht gestorben, sondern weggezogen. Lydia ist nicht wegen seinem Tod unruhig, sondern weil er sie hat sitzen lassen.

Offenbar hat sie nicht in einem Hochhaus gewohnt. Vielleicht in einem Einfamilienhäuschen, das ihr jetzt alleine zu groß geworden ist oder gar auf einem Bauernhof. Das Leben im Hochhaus scheint ihr den Alltag zu erleichtern.

Zumal ihre "Mentalität" nicht "beleuchtet" werden soll. Es scheint da noch mehr zu geben als Unruhe und Schlafstörungen. Vielleicht ist sie psychisch sehr krank, vielleicht ist das auch der Grund für die Flucht von Onkel Fritz. Aber es scheint sich auf der anderen Seite nicht um einen Dauerzustand zu handeln, sondern um ein "Stadium". Und darüber zu schweigen gebieten Erziehung und guter Ton.

Was macht also die Tante Lydia? Genießt sie vielleicht sogar ihre neue Freiheit und reißt jetzt einen Mann nach dem anderen auf - worüber man nicht reden darf. Denn das würde sich gar nicht gehören, wie das Abschlusszitat zeigt.

Doch auch Verständnis klingt an - "Schicksal", dem muss man sich ergeben. Und wir alle haben "gute und weniger gute Seiten". Also etwas Nachsicht, bitte, mit Tante Lydia.

Dann das Zitat von Theodor Storm:
„Die Ehe Liebe welch lieblicher Wunsch,
doch in der Ehe, da steckt die Kunst“.

Die Ehe wird also hochgehalten, „Liebe“ ist nur ein „lieblicher Wunsch“. Komischerweise hat der Papa sich hier verschrieben, gleich Ehe geschrieben und durchgestrichen. Wenn ich jetzt freudianisiere, könnte ich hineininterpretieren, dass er vernunftmäßig zwar hinter den Zitat steht, dass es ihm aber gefühlsmäßig viel lieber wäre, wenn die Liebe die Kunst wäre - also über der Ehe stünde.

Insgesamt denke ich, liege ich mit meinen Interpretationen gar nicht so falsch, jedenfalls was die unmittelbaren Angaben betrifft - Tante Lydia, die Geisteshaltung des Schreibers. Anderes liegt natürlich im Dunkeln, was nun genau mit dem ältesten Sohn und Onkel Fritz war, was die 62 Jahre gemeinsamen Marschierens gebracht haben und welche Kriegserlebnisse es gab.

Ich denke, es handelte sich um einen gebildeten Mann. Die Sätze sind gut ausformuliert, die Schrift ist markant und gleichförmig.

Paar kleine Fehler tauchen auf:

Ich habe Euch von von Lydias schreiben alles gesandt,
in dem sie wissen wollte wegen schlafen, Unruhe
etc. und auch eine Abschrift meines Briefes.

„Schreiben“ und „Schlafen“ müsste groß geschrieben werden.

großen Jungen usw. usw., an dieser Stelle
möchten wir Euch sagen, herzlich bitten und
Euch ans Herz legen, Ihr seid nun schon

Nach diesem doppelten "usw." müsste nun wirklich ein neuer Satz, besser ein neuer Abschnitt beginnen.

Das Gedicht über Gesundheit und Geld ist doch was sehr holprig.

Diese nackte Wahrheit und der 
Reim stammt von mir.

Sollte heißen: „stammen von mir.“

Ich denke, ein Lehrer war der Schreiber nicht. Vielleicht sonstiger Beamter. Eher nicht religiös, das wäre sicher bei der Moral mit angeklungen. Nicht das Schicksal würde segnen, sondern Gott.

Schade, dass ich nur dieses erste Blatt gefunden hatte. Es lag da irgendwo am Zaun herum, als ich hin und her spazierte, weil ich warten musste, bis ich mit meinem Gartenabfall an der Reihe war. Mir stach diese auffällig geschwungene Schrift ins Auge.

Gleichzeitig fand ich eine einzelne Seite aus einem Reiseführer, einem Ort in Süddeutschland, den ich nicht kenne. Darüber will ich mich noch etwas genauer informieren.

Jedenfalls kam mir recht schnell in den Sinn, dass ich mir eine Geschichte ausdenken könnte, die eben genau in diesem Brief gipfelt. Der Ort auf dem Reiseführerblatt könnte darin ebenfalls eine Rolle spielen.

Habe aber in der Gesa den Brief ein wenig weiter untersucht:

Ja, bei der Anrede handelt es sich um „liebes“ vor dem 2. Namen. Denn bei einem „nochmals“ ist das „s“ genauso geschrieben, mit einem zusätzlichen Häkchen. Mit solchen Schnörkeln geht der Schreibe ja großzügig um. „r“ und „s“ sind somit eindeutig zu unterscheiden. Doch der Name?

Der Name ist „Evchen“ - ergibt sich aus dem Vergleich mit „Euch“ und „vor“. Das „v“ in „vor“ hat auch einen deutlichen Aufstrich, aber „v“ mitten in einem Wort kommt nicht mehr vor, so dass ein exakter Vergleich nicht möglich ist.

An Namen haben wir also Jochen, Eva, Fritz und Lydia. Ob sich aus dieser Konstellation auf die Personen schließen ließe? Mit einer Art Rasterfahndung?


Für den Ortsnamen glaube ich, jetzt Halle S. (Saale) herausgefunden zu haben. Das „H“ stimmt nicht ganz mit dem „H“ des ersten Wortes „Habe“ überein. Auch bei „Herz“ sieht der erste Buchstabe anders aus. Der letzte Buchstabe ist jedoch eindeutig ein großes „S“ mit einem Punkt dahinter.

Kann ja sein, dass sich die Eine oder der Andere von diesem alten Brief ebenso angesprochen fühlt wie ich. Vielleicht helft Ihr mir, dazu eine Geschichte zu spinnen.

War der Mann Soldat? Offizier? Das "Marschieren" mit seiner Frau könnte darauf hindeuten. Was soll die extreme Betonung des Vertrauens? Konnte Fritz seiner Lydia nicht vertrauen - oder umgekehrt? Haut man deshalb ab, weil man nicht vertraut?

Ich merke, wenn ich über den Text sinniere, kommen mir Gedanken, fast wie von alleine.

Nun aber hat Trude angerufen. Sie hat ihren Spätdienst beendet, wir treffen uns gleich beim Mikkel.