Sonntag, 31. Mai 2015

Praxis - Tod in der Tiefkühltruhe


Ich fahre öfter mit dem Rad die Schätzelbergstraße entlang. Sie führt durch ein tristes Gebiet von Kleinindustrie und kreuzt den Teltow-Kanal, heißt hier allerdings schon Komturstraße. Von der Brücke aus hat man einen schönen Blick auf das Ullsteingebäude. Ansonsten macht die Straße eher einen tristen, fast morbiden Eindruck, es beschleicht einen ein leicht beklemmendes Gefühl. Das wird durch den Tempelhofer Park- mit dem Tierfriedhof am Westende noch betont. 



In der Schätzelbergstraße stehen oft riesige LKW herum und polnische Lieferwagen mit Anhängern, die PKWs geladen haben. Dazwischen wird immer wieder einiges an Müll abgeladen, manchmal liegen da Berge von Plastiktüten oder Bauschutt. Illegale Entsorgung, nicht selten in Berlin.

Kürzlich stand dort eine alte Tiefkühltruhe, gut zwei Meter lang. Diese Truhe erinnerte mich sofort an die seltsame Geschichte von Frau K.

Zu Praxiszeit fuhr ich ebenfalls gerne mit dem Rad zur Arbeit. In der Gottlieb-Dunkel-Straße gab es ein Kiosk. Das hatte immer einen Kundenstopper mit der Schlagzeile aus der BZ auf dem Bürgersteig stehen.

Eines Morgens stand da: „Berlinerin bringt sich in einer Tiefkühltruhe um“.

‚Absurd‘, dachte ich mir und fuhr vorbei.

Mindestens dreimal in der Woche kam damals Frau D. K. in die Sprechstunde, eine alte Dame mit vielen chronischen Beschwerden. An diesem Morgen fragte sie mich, ob ich von dem Selbstmord in der Tiefkühltruhe gehört hätte. Ich war verwundert, dass sie sich für so etwas interessierte und antwortete, ich hätte gerade so eine Schlagzeile an einem Kiosk gelesen.


Da sagte Frau K.: „Das war meine Tochter.“


Freitag, 29. Mai 2015

Literatur


Letztes Jahr habe ich einen zum Teil dystopischen Roman ausgearbeitet, „Götter“ heißt er. Es spielt in Reservaten, in denn Frauen und Männer getrennt voneinander „gehalten“ und ausgebeutet werden. Sie wissen nicht einmal, dass es das andere Geschlecht gibt. Er sollte eigentlich im Dezember letzten Jahres in Kindle erscheinen.



Mein Bruder hatte ihn gegengelesen, und riet mir dringend ab, ihn bei Kindle zu „verramschen“, dafür sei er zu gut. Das motivierte mich, ihn Verlagen anzubieten, diesmal waren es 27. Parallel dazu dachten wir auch an eine Veröffentlichung im Wiebers Verlag. Diesmal wollten wir allerdings alles richtig machen.

Wir ließen uns also bei Frau Schmidle vom Literaturtest beraten und wurden einerseits an die Lektorin Frau Kenneweg verwiesen und an den Unternehmensberater für Verlage Herrn Durchdewald. Bei beiden hatten wir Termine. Frau Kenneweg legte mir die Selfpublisher-Bibel nahe, und dort absolvierte ich einen ganzen Online-Kursus. Der brachte mir tiefe Einblicke, nicht nur was Selbstverlegen betrifft.

Dazu gehören unter anderem die fast unumgängliche Notwendigkeit, einen Facebook- möglichst auch ein Twitter-Account zu haben und eben einen Blog. Das ist also der Grund für dessen Wiederaufleben. Am Besten wäre zwar eine eigene Verlags-Homepage mit Blog und Newsletter - aber eines nach dem andern!

Herr Durchdewald riet uns, nachdem er unsere Vorstellungen kennengelernt hatte, von der Veröffentlichung im eigen Verlag dringen ab. Ihm selbst hatten Exposé und Leseprobe zugesagt. Statt dessen schlug er vor, mich an den Fabulus-Verlag zu wenden.

Und diesmal: Erfolg! Frau Höfliger will den Roman noch vor Weihnachten herausbringen - und sie hat auch Interesse am Abenteuermond. Das ist geradezu phantastisch, und ich bin höchst gespannt, wie das alles werden wird.

Das tolle Titelbild stammt wieder von Kalle. Randbemerkung: Nächste Woche läuft sein Film Wundervolle Erde 3D auf dem Filmfest Emden (unter "Programm" "Neue deutsche Filme" ganz unten, Detailseite). Ein Trailer dazu auf Youtube.

Ich kann jetzt noch nicht wissen, ob der Fabulus-Verlag dieses Titelbild auch übernehmen wird. Vielleicht schwebt ihm etwas anderes vor.

Natürlich habe ich neue Projekte im Kopf. Die nächsten beiden sind etwas ganz anderes: Zwei Bildbände.

Der erste ist eine Fotodokumentation über das Schlüpfen von Wildbienen, deren Kokons ich aus dem Verschlussmechanismus eines unserer Dachfenster herausgekratzt hatte. Er wird ungefähr 25 Seiten ausmachen und mit englischen und französischen Texten neben den deutschen herauskommen. Ich denke, das passiert noch im Juni.



Der zweite wird deutlich umfangreicher werden. Er dokumentiert den Abriss des Seniorenwohnheims in der Rixdorfer Straße in Berlin-Mariendorf und den Aufbau eines Reichelt-Supermarkts und der Siemes-Schuhfiliale auf dem Gelände. Seinerzeit hatte ich im Wochenabstand die Abrissarbeiten von innen und außen fotografiert und stelle für den Band die „Highlights“ zusammen.



Einige Erzählungen schweben mir natürlich auch noch vor. So eine Vampirgeschichte (Arbeitstitel „Die schöne Vampirin“) und „Der Verdoppler“. Die gibt es als Kurzgeschichte schon in „Da läuft was aus“. Sie wird weitergesponnen, indem sich der Professor Kocher so häufig selbst verdoppelt, dass er mit einer ganzen Armee von Kocher-Klonen die Weltherrschaft anstrebt.

Gleich habt Ihr es geschafft, der Eintrag neigt sich dem Ende zu.

Derzeit läuft die Leserunde Abenteuermond bei LovelyBooks. Dort kam bisher ein Beitrag, und der war sehr wohlwollend.

Und mit diesem Blog habe ich vor, von Zeit zu Zeit das zu tun, was der Sinn des Blogs nun ist: nämlich von mir, meinem Alltag und den literarischen Fortschritten zu berichten.

Als zweites habe ich vor, nach und nach, häppchenweise, Geheimnisse aus meiner Vergangenheit zu lüften.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und würde mich über Reaktionen, Kommentare und Anregungen freuen. Bisher gab es nicht eine - fürchte der Stellenwert dieser Blogs ist weit übertrieben. Lese, ehrlich gesagt, ja auch nicht ständig in den Blogs anderer Leute herum...

Werde aber nochmals per Rund-eMail darauf hinweisen.

Hertha - Eintracht

Fußball:

16. 5. Hertha - Frankfurt Eintracht 0 : 0, Olympiastadion.

Als alter Hesse für mich gar nicht so einfach, zu entscheiden, für wen mein Herz schlagen soll. Mein Bruder hat es da einfacher. Er ist eindeutiger Hertha-Fan. War auch im Stadion, in der Ostkurve. Mir genau gegenüber. Vielleicht kann ihn ja jemand auf dem Bild erkennen?


Großes Herzzerbrechen hatte ich allerdings nicht, denn erstens ging es unentschieden aus, und zweitens hängt meines nicht sehr am Fußball.

Es gab für mich keinen eigentlichen Einsatz für mich, keine Blutentnahme, aber ein älterer Herr mit "Herzbeschwerden". Es war aber nur eine Interkostalneuralgie (Zwischenrippen-Reizung), kein Infarkt, vor dem er Angst hatte. Hatte nämlich schon einen. Schmerztablette genügte. Dankbar wandte er sich wieder dem Spiel zu. Er stammte aus Frankfurt, schön mal wieder diesen Dialekt im Original zu hören. Bei einem Sieg wären die Schmerzen wahrscheinlich sowieso wie verflogen gewesen.

Beeindruckend war das Schwenkens schwarzer und weißer Fähnchen der Frankfurter Fans.





Von 6. bis 10. Mai hatte ich insgesamt fünf Dienste in Folge. Ist vielleicht was viel. Doch die Fußballspiele versuche ich, zu ergattern. Das läuft sowieso unter "bezahlter Freizeit". Bis 16. war allerdings komplett Ruhe.

Polizei


Weiter ging es erst nach dem Herthaspiel Sonntag Nacht "City". Das ist die Polizeistation in Moabit, Perleberger Straße.

Dort nur drei Einsätze, einer davon war heftig. Es war ein extrem kräftiger Afrikaner, seine ganze Art erinnerte mich an den Helden aus "Green Mile". Es wurde ihm Körperverletzung vorgeworfen - wobei man nie sagen kann, was an solchen Vorwürfen dran ist. Jedenfalls war eine BE (Blutentnahme) auf Alkohol und Drogen angeordnet.

Der Mann machte alles mit, doch als er merkte, dass ihm Blut abgenommen werden sollte, geriet er in Panik. Er wehrte sich mit Händen und Füßen und konnte nur mir Mühe in eine Zelle verfrachtet werden. Dann forderten die Beamten die "Hundertschaft" an. Von denen kamen 6 Mann, ausgerüstet in Kampfmontur. Sie beratschlagten vor der Zelle, wie sie vorgehen sollten. Das dauerte schon einige Minuten. Immer wieder beobachteten sie durch die Klappe, wie der Mann sich verhielt. Er schien ruhig. Die Beamten öffneten die Tür und sagten ihm, dass die BE auf jeden Fall gemacht werden müsse. Sofort fing er wieder an zu toben. Es waren wirklich alle 6 Polizisten nötig, ihn zu bändigen. Letztlich lag er auf dem Boden, je ein Beamter hielt eine Gliedmaße fest, einer den Kopf und einer lag beinahe auf seinem Bauch.

Dabei schrie der Afrikaner unentwegt: "Ich liebe Deutschland, ich liebe euer Land, ich bin ein guter Junge, tut mir nichts, ich bin ein guter Junge. Spritzt mir nichts." Immer wieder sagte ich, ich spritze nichts, ich nehme nur Blut ab, auch die Beamten sagten das trotz aller Aufregung und Hektik. Es war nicht so, dass die Sechs wirklich Herr über ihn waren. Immer wieder schaffte er es, sich aufzubäumen und den Arm wegzuziehen. Letztlich waren neun Mann beteiligt, den einen zu bändigen.

Schließlich bekam ich auch die drei Röhrchen voll und sagte auch, das sei jetzt erledigt. Sofort war der Afrikaner ruhig.

Sein Verhalten kann ich mir nur so erklären, dass er Todesangst hatte. Er war wahrscheinlich überzeugt, dass ich ich ihm eine tödliche Spritze gebe. Ich nehme an, dass er in Afrika hautnah bei Bekannten so etwas erlebt hatte. Nachdem die Nadel draußen war, hatte es für ihn keinen Sinn mehr, sich weiter zu wehren. Hätte ich das Gift gespritzt gehabt, wäre sowieso alles zu spät gewesen.

Der Mann tat mir leid. Gerne wüsste ich, ob meine Vermutung stimmt. Aber das kann ich leider nicht überprüfen.

Es dauerte eine Weile bis sich bei mir die Aufregung legte, die hatte sich natürlich eingestellt. Ich denke nicht, dass der Einsatz anders hätte ablaufen können. Dem Mann war eben nicht zu erklären, dass es nur um die Blutentnahme ging. Seine Panik ließ vernünftige Argumente gar nicht bis zu ihm durchdringen.



Upps ... zweieinhalb Wochen!


Kinder, wie die Zeit vergeht...

Der Blog war schon lange dran, doch meine Nachtdienste waren zu unruhig - leider oder nicht?

Im Moment liege ich in der Wanne, oder besser, sitze halb aufrecht. Vor mir habe ich mein Gestell, selbst gebastelt. Auf diesem kann ich Bücher, Zeitschriften, Gläser, Kerzen oder andere Utensilien abstellen. Auch ein Laptop ist möglich. Damit tippe ich gerade.



Es ist 20 vor 5 morgens. Seit 3 mehr oder weniger wach, um 4 aufgestanden. Hatte die eine Stunde gedöst mit der leichten Hoffnung, wieder einzuschlafen. Das klappt meist nicht, aber 3 Uhr war mir wirklich was früh. Es kam hinzu, dass das Handy der Gattin piepte, wollte geladen werden. Ich kann die hohen Töne nicht mehr zuordnen. Meinte, es läge im Zimmer, es war allerdings in ihrer Handtasche auf der Treppe. Hängt jetzt am Ladegerät, schweigt.



Dann Katze gefüttert, die schon am Fußende ausgeharrt hatte, die Espressomaschine für die Gattin vorbereitet und Trinkwasser gesprudelt (mit Aquabar, Firma gibt's leider nicht mehr). Brauche viel Flüssigkeit, denn ich bade sehr heiß, und meist vier Stunden lang. Das klappt heute beinahe, denn gegen acht muss ich los zur Erzieherschule. Dort wohne ich einem Examenskolloquium bei. Eine meiner Schülerinnen stellt ihre Facharbeit vor.

Nachtrag am Abend: Ich war in zwei Gruppen von je drei Schülern bei der Abnahme der Facharbeit dabei, bei einem habe ich Protokoll geschrieben. Erfreulich: Alle haben bestanden.

Der halbe Liter Sprudel ist schon weg, es muss anschließend mit Leitungswasser weiter gehen. Denn nochmals in die Küche renne ich nicht. Denn oft spielt mein Kreislauf nicht mit, wenn ich zu schnell aufstehe - obwohl ich meist noch kurz kalt abdusche. Muss mich dann erst zwei bis drei Minuten waagerecht erholen. Meine Frau lästert jedes Mal, wenn ich aus der Wanne ins Bett schleiche.

Ereignisse:
Zwei Fußballspiele, drei weitere Dienst. Die letzten beiden im T-Damm waren heftig, kam fast nicht zur Ruhe. Von vorgestern auf gestern  im Dienst kaum geruht, dafür zu Hause den Vormittag über verschlafen. Ist in Ordnung. Vielleicht deshalb heute das frühe Wachwerden, weil das Schlafbedürfnis abgegolten war. Hatte in der Nacht 11 Einsätze, aber sehr blöd verteilt.

Davor war ich in der Nacht von Pfingstsonntag auf -montag dran. Gleichzeitig Karneval der Kulturen. Etliche setzen "Kultur" wohl "Sauferei" gleich. Kam erst halb fünf morgens ins Bett.

Das Hauptereignis allerdings in den letzten Tagen war die Hochzeit von K und C im Wendland. Wir waren dort von Mittwoch bis Pfingstsonntag Vormittag. Nächtigten bei M und C. Tochter mit Mann und Enkel kamen dazu, so hatten wir zugleich eine kleine "Familienzusammenführung". Für den Enkel waren natürlich die acht Ziegen die Haupt-Attraktion.






Ich hatte die Ehre, die Hochzeitsbilder zu machen. Stellte mir eine Tasche mit drei Kameras und Zubehör zusammen - und vergaß sie in Berlin. Das merkte ich aber erst kurz vor der Fähre bei Havelberg. Bekam zum Glück zwei gute Kameras geliehen (zum Wechsel bei leerem Akku). Es war ein Fest der Superlative - eine Superlative auch der Bilder. Rund 1500. Seither sitze ich in meiner freie Zeit an der Bearbeitung. Alle unscharfen und stark fehlbelichteten sind bereits rausgeflogen, der große Rest ist bearbeitet. Als nächstes kommt eine vernünftige Auswahl an die Reihe. Dann werde ich eine DVD zusammenstellen.

Es ist gleich halb sechs. Hiermit will ich schließen. In Kürze, vielleicht noch heute kommen Abschnitte zur Literatur und ggf. Praxis.

Grüße aus Berlin

- Will

Montag, 11. Mai 2015

Polizei: Ruhige Nacht - bis auf die "Feuchtgebiete"



Hier mein "Freizeitbereich"


Es war eine recht ruhige Nacht, in Lankwitz. Ich hatte nur drei Einsätze, zwei Blutentnahmen und eine Verwahrfähigkeitsuntersuchung. Dabei handelte es sich um einen jungen Mann, noch keine 20, o Gott... Weiß nicht, was der ausgefressen hatte. Wurde gebracht wegen Schmerzen in der Leiste. Dort fand sich ein Leistenbruch, nicht eingeklemmt, harmlos. Angeblich hat er schon einen OP-Termin. Ich gab ihm Ibuprofen und erklärte ihn für verwahrfähig. Er wurde auch nicht nochmals vorgestellt, also ist es gut gegangen. Heute kommt er wohl in Haft, von da aus kann man sich im Haftkrankenhaus um ihn kümmern.

Fast wichtiger als diese offiziellen Ereignisse war in dieser Nacht mein "Freizeitbereich". Einerseits hatte ich meine Mundharmonika dabei. Will dieses Hobby ebenfalls wieder etwas mehr pflegen.

Andererseits habe ich die Feuchtgebiete von Charlotte Roche komplett durchgelesen.

Der Hype um dieses Buch hatte mich eher genervt, das Thema oder das, was man so darüber gehört hat, eher abgestoßen. Wollte es mir nie zulegen. Nun war letzten (oder vorletzten) Montag die Film-Version im ZDF. Ins Kino wäre ich dafür nicht gegangen, da er hier aber kostenlos geboten wurde, dachte ich mir: kannst dir den Film ja mal ansehen.

Ich fand ihn: So la la. Nicht besonders aufregend, aber auch nicht langweilig. Klar gibt es diese ekligen Szenen darin, die schon mal ein innerliches "Igitt" auslösten. Geschockt war ich nicht, vielleicht ist man da als Mediziner doch einiges gewöhnt.

Nun wurde ich aber ein bisschen neugierig auf die literarische Vorlage, las darüber bei Wikipedia und besah mir die Rezensionen bei Amazon. Es gibt ja über 2300 davon, und demnächst kommt noch eine von mir dazu. Durchschnittliche Punktzahl 2,5, also genau die Mitte. Ich las mir ALLE durch (kleiner Scherz). Nein, ich sah mir einige mit einem Punkt an. Darin wird Frau Roche teilweise übelste heruntergemacht, eine Leserin empfiehlt ihr eine Psychotherapie. Unter den 5-Sterne-Beurteilungen bekam die Autorin höchstes Lob.

Insgesamt wurde ich immer neugieriger und lud mir das Werk auf den Kindle.

Wie so oft übertrifft die Vorlage den Film bei weitem. Es leuchtet mir oft nicht ein, wieso das Drehbuch unbedingt umgemodelt werden muss - warum bleibt man nicht bei einer 1:1-Darstellung? Klar kann man nie alles in 90 Minuten zeigen, was man in vier Stunden liest. Doch wieso muss man Dialoge von anderen Personen sprechen lassen, und wieso muss man komplett neue Szenen hineinnehmen. Man schafft es doch sowieso nicht, alle Buch-Szenen zu verarbeiten.

So watet die Protagonistin am Anfang des Films barfuß durch ein komplett versifftes Klo, in dem einige Zentimeter hoch verdrecktes Wasser steht. Kommt im Buch nicht vor. Erst dass sie mit ihrer Muschi die bespritzte Klobrille abputzt, das stimmt wieder. Dass sie aber anschließend eine Ratte aus der Jauche zieht und fortan als Haustier hält, steht nicht im Buch. Da wird also die Sensationsheischerei noch ein bisschen gesteigert.

Eine eingefügte Szene ist ein glattes Plagiat. Helen steht als Kind auf einer Mauer, die Mutter streckt ihr die Arme entgegen und fordert sie auf zu springen. Das tut sie fällt auf die Boden, weil Mama zur Seite geht. Ihr Kommentar: "Traue niemandem, auch nicht deinen Eltern. Besser du haust dir jetzt die Knie auf, als dass dir später dein Herz bricht."

Diese Szene hatte mir mit ungefähr achtzehn mein damals bester Freund Uli Strohmeyer  erzählt, nur handelte es sich um einen jüdischen Vater, der seinem Sprössling solche Lebensweisheiten vermitteln wollte.

Aber mit Plagiaten schein auch Frau Roche es nicht so ganz genau zu nehmen. Helen lässt sich komplett von einem Mann die Haare rasieren, Arme, Bein, Rumpf und natürlich auch die Scham. Ihr gefällt das. Nachdem alles ab ist, fragt sie: "Willst du mich jetzt ficken?" Er: "Nein, du bist mir zu jung." Diese Szene habe ich schon einmal gelesen oder gesehen. Nur hatte es sich nicht um eine Rasur, sondern um ein Tattoo gehandelt. Kann aber nicht mehr belegen, wo sie stand. Wäre für zweckdienliche Hinweise dankbar.

Gut, das sind die Kleinigkeiten. Das Buch hinterlässt schon einen Eindruck, mehr als der Film. Es funktioniert meines Erachtens auch nur, weil es von einer Frau geschrieben wurde. Ich kann es mir von einem männlichen Autoren einfach nicht vorstellen.

Ich würde am mich liebsten ein Stückchen in die Zukunft versetzen und rückschauend betrachten, was aus den kontroversen Diskussionen geworden ist. Was war Hildegard Knefs 1. Nacktszene für ein Aufreger, was wurden Günter Grass und Peter Handke angefeindet - und die Beispiele ließen sich endlos fortsetzen. Vielleicht wird Roche einmal der Nobelpreis verliehen, vielleicht wird sie aber auch klammheimlich aus der Literaturszene verschwinden. Ich halte beides für möglich.

Ohne Knef und Gras wäre ihr Werk sicher nicht möglich gewesen. Wie mussten wir als Kinder aufpassen, dass wir im Beisein von Erwachsenen nicht zufällig das Wort geil aussprachen. Das wäre eine Ohrfeige wert gewesen. Ficken hätte zum Ausstoß aus der Familie hinein in eine Besserungsanstalt geführt. Bei Arsch hätte es zumindest eine schwere Rüge gegeben. Heute fast normaler Sprachgebrauch, auch in der Hochliteratur.

Geil kommt bei Roche 34 mal vor, ficken 14 mal (das nette Bumsen gar nicht) und Arsch genau 100 mal. Keine Angst, ich habe die Wörter nicht angekreuzt und nachgezählt, die Suchfunktion im Kindle macht es einem da einfach.

Auch beim Lesen: Das Igitt bleibt nicht aus. Doch gibt es etliche lustige Szenen, z.B. als ich lernte, dass ein Furz normalerweise einen Anfang und ein Ende hat. Wusste ich zwar unterbewusst, aber hier erfuhr ich es schwarz auf weiß. Es kommt ja nicht immer vor, dass man richtig laut lachen muss, beim Lesen.

In einem Punkt bin ich mir ganz sicher: Feuchtgebiete ist kein pornografisches Werk. Denn das, was die Pornografie ausmacht, das blieb bei mir zumindest aus: nicht der Ansatz einer Erektion. Trotz all der anschaulichen Schilderungen diverser sexueller Praktiken. Das war bei dem Film übrigens genauso. Er war keineswegs zurückhaltend. In der Szene, in der vier Pizzabäcker (im Buch sogar 5, vielleicht war kein 5. Schauspieler dafür bereit?) auf eine Pizza onanieren, weil die Bestellerin zu oft gemeckert hat. Helens Kommentar: "Vergewaltigungsfantasien. Normal!" Man sieht tatsächlich kurz die steifen Schwänze (30 mal, das Wort), die von ihren Trägern munter bearbeitet werden. Wundert mich, dass das die FSK passiert hat.

Ich denke Mal, Charlotte Roche hat es einen Riesenspaß gemacht, allen möglichen Ekelskram auf die Spitze zu treiben. Das ist ihr gelungen. Ob dahinter wirklich Aufklärung steckt, der Wunsch übertriebene Hygiene ad absurdum zu führen oder sexuelle Tabus zu brechen, wie manche 5er Rezensionen darlegen, sei dahingestellt. Darüber will ich gar nicht erst spekulieren. Kann sein, muss nicht sein.

Insgesamt bewundere ich den Mut, den Charlotte Roche hatte, ein solches Wert zu veröffentlichen. Sie hat damit fast so etwas wie einen Kaufrausch ausgelöst, trotz der Anfeindungen kann man es gar nicht anders sagen: Sie hatte einen riesigen Erfolg damit. Und das imponiert mir.

Vielleicht ist jemand neugierig, wie viele Punkte die Feuchtgebiete von mir bekommen werden. Ich muss zugeben, da bin ich mir noch gar nicht schlüssig. Das Buch wirkt ja noch nach. Auch das ist nicht immer selbstverständlich. Keine Ahnung, wie Ohrenschmalz, Schlaf in den Augenlidern und Sperma schmecken. Will ich das wissen? Muss ich das wissen? Bei Pobel zumindest weiß ich es.

Sonntag, 10. Mai 2015

Haus in der Britzer Straße


Eine kleine Ergänzung zu dem Foto von 2007. Das war eigentlich nur ein Test, wie ein Bild in den Blog zu bekommen ist. Es war allerdings ein schönes Haus, nur etwas heruntergekommen. Siehe unten, Beitrag vom 29. 9. 2007.

Letztes Jahr ist es aufwändig restauriert worden. Es wurde fast alles bis auf den Rohbau abgetragen, einschließlich der Dachstuhl. Jetzt steht es dort in wunderschöner Pracht, eine Augenweide beim Vorbeigehen.

Etwas mehr zur Schreiberei

Bezüglich Schreiben hat sich tatsächlich viel getan. In Kindle habe ich meine „alten Schinken“ veröffentlicht.

Da läuft was aus“, die Kurzgeschichten-Sammlung seit den 70er Jahren,
Oktan“ aus den 80er Jahren, war noch auf einer mechanischen Schreibmaschine getippt,
Das Licht“ aus den 90er Jahren,
Glückwunsch zum Geburtstag, Zombie“ aus dem neuen Jahrtausend.

Dazu kam etwas „seriöses“: Ich gestaltete aus dem Text des Plakats zur Römischen Geschichte ein eBook. Das Besondere daran ist die Möglichkeit, vom Register aus sofort zu dem entsprechenden Herrscher oder Ereignis zu klicken, und man erhält dort eine Mini-Information dazu. Dieses eBook wurde der Renner, er stand monatelang auf Platz 1 der Sparte „klassisches Altertum“. Natürlich lag die Absicht darin, damit Reklame für das Poster zu machen, doch dessen Absatz hat sich nicht spürbar erhöht. Dafür habe ich nochmals viel Mühe in die englische Version gesetzt, doch dessen Verkauf hat sich nicht spürbar verbessert.

Das Zombie-Buch entstand auf Anregung Kalles (meines Sohnes, wer's noch nicht weiß). Er hatte die Idee, mehrere Zombie-Kurzgeschichten zu sammeln und hat auch selbst einige darin veröffentlicht. Es wurde realisiert unter dem Titel „Zombie City Stories“. Kalle bat mich, auch eine Geschichte beizusteuern. Mir kam die Idee, die Geschichte „Das Licht“ in diese Richtung auszubauen. Das machte mir einen derartigen Spaß, dass daraus ein ganzes Buch wurde.

Die beiden Zombie-Bücher kann man bei Amazon über dessen Book-on-Demand-Programme CreateSpace auch gedruckt, auf echtem Papier, beziehen (7,80 bzw. 5,85 €).

Dann kam ein subjektives Highlight, die Veröffentlichung meines Kinderbuchs "Abenteuermond".



Die Geschichte hatte ich in den 80ern aufgeschrieben. Es war das Resultat der Gutenachtgeschichten für Tochter Linda. Einen großen Teil davon schrieb ich auf der Intensivstation des Bethel-Krankenhauses in Lichterfelde Ost. Es gab dort, besonders in den Spätdiensten, tatsächlich ausreichend Muse dazu. Eine der Krankenschwestern sagte, ich könnte mein Geld auch leichter verdienen - mit dem Schreiben, hatte sie gemeint.

Tatsächlich stellte ich das Manuskript ca. 20 Verlagen vor, aber es biss keiner an. Es geriet dann ein bisschen in Vergessenheit.


2011 arbeitete ich die Geschichte umfassend um. Kalle machte wunderschöne Zeichnungen dazu. Warum erneut auf die beschwerliche Verlagssuche gehen, wenn wir unseren eigenen Verlag haben? Den nannten wir nun „Verlag für Geschichte und Geschichten“. Wir ließen das Buch drucken - und verkauften wenig davon. Mittlerweile ist mir sonnenklar, warum. Wir hatten so gut wie alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.

Doch davon in ein paar Tagen mehr - dann auch die Erklärung zur Wiederbelebung des Blogs.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und freue mich jetzt schon auf zahlreiche Reaktionen, Kommentare und Anregungen.

Ich wünsche einen schönen Sonntag!

Will

Fußball




Ihr Lieben,

über den Polizeidienst kann ich Sondereinsätze bei Fußballspielen mitmachen. Die sind sehr begehrt, und es ist immer etwas Glückssache, ob man „gewinnt“, also sich schnell genug meldet, wenn eine eMail mit dem Hinweis auf ein Spiel kommt. Bisher war ich zweimal im Olympiastadion bei Hertha, und zweimal im Stadion „An der alten Försterei“ in der Wuhlheide. Das ist der Stammsitz vom 1. FC Union Berlin.

Gestern hatte ich mal wieder Glück und konnte daran teilnehmen. Meist kann ich bei dem Spiel zuschauen und werde geholt, wenn etwas ansteht. Eine Blutentnahme gab es gestern nicht, aber die Polizei hat doch etliche aggressive Fans abgegriffen. Einer hatte eine breite Platzwunde am Knie, die musste ich mir anschauen. Sie ging fast durch bis zur Kniescheibe. Ich verband sie und schickte ihn ins Krankenhaus, weil sie unbedingt versorgt werden musste. Der junge Mann hatte ganz schön einen sitzen und beschuldigte den Polizisten. Er hätte ihn geschubst, so dass er auf die Treppe geknallt sei. Er wollte ihn sofort anzeigen. Ich drängte ihn, das nach dem Krankenhaus zu machen, weil die Wunde sich sonst entzünden könnte. Er war jedoch so benebelt, dass das gar nicht bis zu ihm durchgedrungen ist. Was letztendlich passierte, bekam ich nicht mehr mit.


Ich war vor diesen Polizeidiensten noch nicht einmal bei einem Fußballspiel in einem Stadion. Ich muss sagen, das hat schon etwas, diese laute Atmosphäre, die Gesänge und das Gejohle. Etwas schade, dass offensichtlich so viel Alkohol dazu gehört.

Eine Karte würde ich mir wohl nicht kaufen, aber ich versuche jetzt, möglichst viele Fußball-Dienste zu bekommen. Auch nächsten Samstag hat es geklappt: Hertha gegen Eintracht Frankfurt. Das hat für einen alten Hessen sogar noch ein bisschen spannender.

Werde berichten!

Heute habe ich wieder einen Nachtdienst in Lankwitz, das wird wohl eher etwas ruhiger.

Euch einen schönen Sonntag noch und viele Grüße aus Berlin

Euer Will

Freitag, 1. Mai 2015

Wiederbelebung nach acht Jahren


Mein letzter Blog-Eintrag stammt von 2007. Das ist sage und schreibe acht Jahre her.

Ich muss gestehen, ich hatte vollkommen vergessen, dass ich diesen Blog angefangen hatte.

Inzwischen hat sich, wie bei JEDEM, viel getan.

In aller Kürze: Die Praxis beendeten wir im Dezember 2009. Ich betreute zwei Diakonie-Altenheime weiter bis letzten Sommer (2014). Das bedeutete: Visiten an zwei Tagen in der Woche und selten mal einen "Noteinsatz". Das waren am ehesten Leichenschauen.

Im Januar 2010 hatten Trude und ich den Wiebers Verlag übernommen, einen kleinen Verlag für Plakate und Lesezeichen zur Geschichte. Anfangs kümmerten wir uns aufwändig darum, machten Vertreter-Reisen, bauten eine Homepage auf, übersetzten das Römerplakat ins Niederländische und Englische. Inzwischen dümpelt der Verlag so vor sich hin. Im Wesentlichen bekommen wir gelegentlich Bestellungen von den Stammkunden, diversen Museums-Shops nämlich.

Weiter begann ich, Unterricht in der Hofbauer-Altenpflegeschule zu geben, später auch in der Semper-Schule für Erzieher und Heilerziehungspfleger. Das macht mir großen Spaß. Seit letztem Jahr kommen auch Fortbildungen in der Diakonie Südstern und Moabit dazu.

Seit Dezember 2013 bin ich offiziell „Rentner“, das heißt, ich lasse mir die Rente zwei Jahre früher mit 12% Abzug auszahlen. Nach meiner Berechnung mache ich damit ein Geschäft, wenn ich vor meinem 85. Lebensjahr sterbe, finanziell nachteilig wird es für mich danach.

Da die Altenheime ausliefen, suchte ich mir im Frühjahr 2014 einen neuen Job. Der besteht im Blutentnahmedienst bei der Berliner Polizei. Ich muss die Proben bei Verdacht auf Vergehen unter Alkohol oder Drogen (meist im Straßenverkehr) abnehmen. Dazu gehören auch die „Verwahrfähigkeitsuntersuchungen“. Dabei muss ich feststellen, ob ein Delinquent den nächsten Tag ohne Risiko für Gesundheit oder Leben in Gewahrsam gehalten werden kann. Bis dahin entscheidet ein Richter, ob er freikommt oder in Haft genommen wird.

Das ist erstaunlicherweise eine Tätigkeit, die mir ausgesprochen gut gefällt. Es handelt sich um kurze Einsätze, die jeweils auch abgeschlossen sind und bei denen kein Rattenschwanz an Folgeereignissen und Bürokratie folgt. Klar sind die Leute selten gut gelaunt, aber auch das kommt vor. Und noch seltener sind sie hochaggressiv und müssen von mehreren Beamten festgehalten werden.

Was für mich allerdings die wesentlichste Neuerung ist, das ist das Schreiben. Endlich komme ich wieder dazu. Das ist ja während der Praxiszeit fast nicht möglich gewesen.

Das Witzige ist, dass ich in den Ruhephasen im Dienst eben auch an die Schreiberei gehen kann. So auch jetzt. Ich habe einen 12-Stunden-Einsatz von 6 -18 Uhr bei der Polizei in Moabit, die für die 1.-Mai-Veranstaltungen ausgerüstet ist. Hier sitze ich und tippe. Bisher hatte ich noch nichts zu tun außer ein paar netten Gesprächen mit netten Beamten. Ich muss schon sagen, die meisten sind ausgesprochen umgänglich.

Nebenan das hochaktuelle Bild in "Dienstbekleidung" in den Dienstzimmer in Moabit.

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen und freue mich jetzt schon auf zahlreiche Reaktionen, Kommentare und Anregungen.

Nächste Woche dann: mehr!

Ich wünsche ein schönes Wochenende!

Will