Mittwoch, 1. Juli 2015

Kinder, wie die Zeit...

Mittwoch, 1. Juli 2015

Juni herum, ein halbes Jahr vorbei und 2 Wochen seit meinem letzten Post. Immer Sommer scheinen sich die Ereignisse wirklich zu überschlagen.

Was ist passiert? Am besten chronologisch.

Donnerstag, Freitag, 18./19. Juni
hatte ich eine Teamfortbildung in der Hoffbauer-Stiftung, wo ich Altenpflege unterrichte. Die war richtig gut, aber auch richtig anstrengend. Ich fühlte mich geschafft, an den beiden Nachmittagen. Es ging um individuelles Unterrichten und mit welchen Methoden man alle Schüler in den Lernprozess einbindet. Sie müssen viel mehr selbst tun als sich im Frontalunterricht (meine Lieblingsunterrichtsform) berieseln zu lassen. Die Vorbereitung ist allerdings deutlich umfangreicher. R. meinte dann am Samstag, ich solle auf keinen Fall von meinen Frontalunterricht lassen. R. leitet die Semper-Schule in Berlin, wo ich bei den Heilpädagogen und den Erziehern unterrichte.


Für mich als Quereinsteiger in die Pädagogik waren die vielen Begriffe alles böhmische Dörfer, deren Bedeutung ich gerade mal erahnen konnte, aber eben noch nicht mit Erfahrungen füllen. Jetzt werden erst die Überlegungen kommen, ob und wie ich sie umsetzen kann. Habe so innerlich für mich beschlossen, dass ich mit dem Unterricht noch bis 70 weitermache - wenn alles so bleibt und alles so weiterläuft wie bisher. 
Muss gestehen, bei meinen nächsten Stunden über Nordvirus und Salmonellen hatte ich die neuen Kenntnisse NICHT umgesetzt.


Trude hatte die Woche über ihre letzte Fortbildung in Palliativpflege. Sie musste eine kleine Arbeit schreiben und hat jetzt ein schönes Zertifikat. Das meiste daran hat ihr gut gefallen, sie sagt, sie hat viel gelernt. Nur eine Esoterik-Dozentin ging ihr auf den Zeiger.


Freitag Abend trafen Trude und ich uns mit meiner Verlegerin Tanja Höfliger vom Fabulus-Verlag und ihrer Mutter. Der Roman „Götter“ soll ja noch zum Jahresende herauskommen. Es sind zwei ausgesprochen sympathische und interessante Frauen. Die Mutter war Friseurmeisterin und sattelte irgendwann um auf Herstellung von Spezial-Elektromotoren. So ein Umschwenken ist wirklich verwunderlich. Doch sie erzählte, Elektrobasteleien hätten sie von klein auf interessiert. Sie hatte Verbindung zu einem Betrieb der Elektromotoren herstellte und lernte dort, wie es geht. Sie hatte dann wohl selbst viele Jahre einen Betrieb. Daneben ist sie Leseratte.


Die Tochter ist Fotografin, fotografierte allerdings fast nur analog. Durch ihre Kinder entfernte sie sich etwas von diesem Beruf. Ihr zweiter Faible ist das Schreiben. Das realisiert sie jetzt, wollte aber unabhängig bleiben von Verlagen, sondern gründete ihren eigenen. Denn sie scheint sehr professionell vorzugehen, mit gründlichem Coaching - und das ist ja nicht gerade billig. Sie hat eine Fantasy-Trilogie Cináed herausgebracht. Im Juli erscheint der 3. Band. Habe die ersten beiden gelesen, sie haben sich anscheinend ganz gut verkauft. Es erinnert mich ein bisschen, aber wirklich nur an bisschen an Harry Potter.
Bin jedenfalls mal gespannt, wie das weiterläuft, habe aber ein seeehr gutes Gefühl.

Samstag:
Am Nachmittag war ich bei E. auf der jährlichen Gartenfete, erstmals nach bestimmt fünf Jahren wieder. Wir hatten vor vielen Jahren einmal eine Bergtour zusammen unternommen, und der Kontakt hat sich erhalten. Die Vorjahre hatte entweder etwas anderes Vorrang, oder ich habe sie einfach verschwitzt. Den Termin nicht eingetragen und irgendwann im Spätsommer nach der Einladung-eMail geschaut und den Lapsus entdeckt. Freute mich natürlich, dass sie trotzdem noch an mich dachte und es nicht aufgab, mich einzuladen.

Diesmal  gab es sogar die Besonderheit, dass sie mich bat, eine kleine Lesung zu machen. Ich las also etwas zwanzig Leuten drei von meinen Kurzgeschichten vor, und ich hatte das Gefühl, sie kamen auch ganz gut an. Hat Spaß gemacht, trotz eines gewissen Lampenfiebers, das sich aber schnell gelegt hatte.

Zudem hatte ich Enkel J. mit bei E.s Gartenfete, und er hatte sichtlich seinen Spaß dort. Es waren noch zwei Jungs dort, einer zweieinhalb Jahre, aber motorisch ausgesprochen weit und später einer mit ungefähr vier Jahren. Für die war das dort der reinste Abenteuerspielplatz.

Am Abend waren wir auf der Geburtstagsfete von A., gleichzeitig feierte sie auch ihr bestandenes Examen als Erzieherin. Es ist eine Ex-Kollegin Trudes, die von der Krankenpfege in die Kinderbetreuung konvertierte und ihre Ausbildung berufsbegleitend machte. Es war eine angenehme, lockere Runde. Trotzdem gluckte man überwiegend mit den üblichen Verdächtigen zusammen, sprich die alten Bekannten, auch R. Sie ist ebenfalls eine Ex-Kolleging Trudes, die allerdings in die Pädagogik konvertierte. A. schwirrte durch die Gegend, konnte sich natürlich nicht um alle intensiv kümmern, so ist das halt als Gastgeberin. Sie machte aber einen entspannten und zufriedenen Eindruck.



An jenem Wochenende war Tochter L. bei uns, eben mit Enkel J. Ihr ging es gar nicht gut. Sie hatte eine Mittelohrentzündung und kam schon mit Antibiotika aus Hamburg an. Samstag wurden die Schmerzen immer schlimmer, so dass ihr sogar die Tränen kamen. Ich fuhr mit ihr ins Neuköllner Krankenhaus. Eine junge HNO-Ärztin war was pampig und meinte, was sie eigentlich wolle, wo sie doch am Vortag beim Facharzt war. L. sagte, dass es sich eben trotz der Antibiotika verschlechtert hätte. Auf dem 1.-Hilfe-Bogen stand dann: Bei Verschlechterung Wiedervorstellung. Tja, manche Ärzte haben ein ausgesprochen sensibles Gespür im Umgang mit Leidenden…


Ich kann natürlich nachvollziehen, wie die Klinik stressen kann. Trotzdem ist das kein Grund, seinen Frust durch Ruppigkeit an den Patienten auszulassen. Nach einem weiteren kleinen Rückschlag ging es L. in den nächsten Tagen wieder recht gut.

Sonntag Vormittag arbeitete ich einigen Schriftkram auf. Da sammelt sich mindestens genauso schnell was an wie die Zeit vergeht. Habe auch ein Knöllchen bekommen auf der Fahrt nach Emden zum Filmfest. Bin irgendwo 91 gefahren statt 80. Wahrscheinlich auf eine Baustelle zu ausrollen lassen. 20 €. Na ja, gibt Schlimmeres.


Am Nachmittag waren wir im Schöneberger Südgelände. Kalle kam auch dazu. Dort waren einige Veranstaltungen im Rahmen der Sonnenwende, und auch hier war Enkel J. die ganze Zeit gut gelaunt, voller Aktivität und Neugierde - speziell als die Kinder von einer Musikschule ihre Stücke probten, die später aufgeführt werden sollten.


Ab frühen Nachmittag fuhren Tochter und Enkel zurück, Trude und ich machten ein Nickerchen. Das Wochenende hatte es wieder mal ganz schön in sich gehabt.

In der folgenden Woche hatte ich zwei Polizeidienste und dreimal Unterricht. Zwei Dienst in Nord-Ost, sprich Neu-Hellersdorf, musste ich nicht antreten. Das ist mir sehr recht, da ich über eine Stunde Fahrzeit habe. Einer fiel kurzfristig wegen Personalmangel aus, so dass mir wenigstens die Grundvergütung zusteht. Den zweiten übernahm nach kompliziertem Hin- und Hertauschen ein Kollege.

Ansonsten kümmerte ich mich um das Wildbienenbuch. Das wird wohl bald, auf jeden Fall noch im Juli, zu CreateSpace gehen und damit bei Amazon zu beziehen sein. Daneben sah ich noch eine Übersetzung Kalles durch, ein 400-Seiten-Werk aus dem Englischen. Das soll im Dezember erscheinen. Bei Amazon steht schon eine Vorankündigung.

Ein bisschen was Besonderes war Kirschenpflücken am Freitag. Ich erntete ca. 10 kg, wobei wir das Meiste an Nachbarn und Freunde verteilten. Das war allerdings nicht mal ein Fünftel von dem, was daraufhängt. Es waren kaum Würmer drin, auf jeden Fall aber Eier. Heute habe ich noch vom Rest gegessen. Mittlerweile sind in etwas der Hälfte die Maden der Kirschfruchtfliegen gewachsen. Zu erwarten ist bei den Kirschen, die noch hängen und lecker rot aussehen, dass 90 % befallen sind.

Ich behalte ja immer gerne einen bis vier Kirschkerne im Mund und spiele damit herum. So auch gestern beim Skate-Hockey-Training. Da kam es zu einer kurzen, heftigen Bewegung und zack, verschluckte ich den Kern. Und das mir, wo ich doch schon Schwierigkeiten beim Tablettenschlucken habe. Ich brauche dazu immer viel Wasser. Ohne das konnte ich richtig spüren, wie der Fremdkörper so ganz langsam die Speiseröhre hinunterwanderte.

Heute habe ich mal so richtig "frei". Werde noch ein paar Sachen aufarbeiten. Ab morgen bin ich zusammen mit den Freunden J. und G. ein paar Tage in Thüringen, und zwar von 2. bis 5. in Rudolstadt beim TFF (Thüringer Folk Festival). War vor 2 Jahren schon einmal dort, und das war grandios. Außerdem treffen wir die Freiburger Freunde.


Von dort aus werde ich nach Hamburg fahren und am Montag mit Enkel J. nach Berlin zurückkehren. Er bleibt dann bis Freitag ohne Eltern bei uns, zum ersten Mal. Eigentlich wollte er beim letzten Besuch schon nicht weg. Es wird zwar eine mächtige Fahrerei, aber dafür mache ich das doch gerne. Den Freitag drauf bringen wir ihn zurück und fahren am Samstag zu R. und T., Trudes Bruder. Sie feiern Silberhochzeit. Auch wieder so ein Datum, an dem man merkt, wie die Zeit davonhüpft. Man hat das Gefühl, dass deren Hochzeit in einem kleinen Kirchlein bei Hof doch noch gar nicht so lange her ist. Lebhaft kann ich mich erinnern, dass T. auf der Fahrt zur Kirche bemerkte, dass er noch die Hausschuhe anhatte.

So weit so gut, Rapport beendet.

Und für die Interessenten der Polizeiarbeit:

Dienstag, 23.6. Tempelhofer Damm – 7 Einsätze

Los ging es mit einem Italiener, der aus Kummer getrunken hatte, weil die Frau weg war.
Ein Bosnier um die 20 Jahre mit Verdacht auf Alkohol oder Drogen im Straßenverkehr.
Ein Dreißigjähriger, der wegen Körperverletzung in Gewahrsam kam. Hatte selbst reichlich Schürfungen an Kopf und Gliedmaßen
Nachts ein hilfloser Iraner mit niedrigem Blutdruck. Hatte eingepullert, verwaschene Sprache, schläfrig. Trotzdem kein Grund fürs Krankenhaus.
Ein Pole, Mitte Zwanzig, stark alkoholisiert, als hilflose Person im Gewahrsam.
Dann kamen noch zwei Blutentnahmen, ein Afrikaner mit 0,9 Promille im Atemtest und ein Zwanzigjähriger, der mit 1,5 Promille mit dem Fahrrad eine Frau angefahren hatte.

Donnerstag, 25.6. City – ebenfalls 7 Herrschaften.

Die ersten beiden waren höchstaggressiv, die Blutentnahme ging nur mit Gewalt, wobei sechs Beamten mit Halten beschäftigt waren.
Ein Deutscher um die 40 volltrunken, ein Rumäne, der kaum deutsch sprach.
Dann die ruhigeren Kandidaten. Ein Junkie im Entzug ca. 20, gab Herzschmerzen an.
Ein Mann Ende 20, 0,7 Promille im Atemtest nach 2 ½ Bier. Recht hoher Blutdruck. Sei bekannt, aber er nehme nichts. IT-Spezialist, kam gerade aus Doublin, in 4 Tagen müsse er nach Kuala Lumpur.
Dann kamen ein Fitness-Sportler und ein Spanier zum Alkohol- und Drogentest. Der Spanier war in eine Kita eingebrochen.


Schließlich noch ein Rumäne, der ebenfalls kaum Deutsch sprach. Deutete Thorax-Schmerzen an, die wirkten aber sehr vorgegeben. Vitalwerte usw. waren in Ordnung, er sollte sowieso in Kürze entlassen werden und könnte dann zum Arzt gehen.